Ostseeförde Schlei: Immer fort entlang am Fjord

Gelbe Rapsfelder, bunte Blumenmeere und sattgrüne Weiden – die Schleilandschaft zwischen Schleswig und Ostsee ist im Frühling ganz besonders schön anzusehen.

Fünfzehn Minuten vor jeder vollen Stunde steht der Verkehr in Lindaunis still. Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer und selbst die Bahn muss warten. Denn dann hebt die Klappbrücke ihr Stahlgerüst und lässt Kutter wie Segelschiffe passieren. Seit 1927 im Einsatz, überbrückt sie hier die Schlei, den flussartigen Schmelzwasserarm, der sich durch eine leicht hügelige Landschaft zwischen Schleswig und der Ostsee schlängelt.

Holzsteg n Arnisg

Holzsteg n Arnis

Schmal wie ein Fluss, andernorts groß wie ein See zieht sich die Schlei über 43 Kilometer auf ihrem Weg gen Ostsee – vorbei an malerischen kleinen Dörfern, verstreuten Segel- und Yachthäfen, sattgrünen Wäldern und Weiden sowie vereinzelten Gutshöfen. Einheimische halten die Region für die „geographische Mitte Europas“, sagt Dagmar Bahne Bahnsen. Damit sei vor allem ihre Bedeutung im Mittelalter als Handelsweg im Ostseeraum gemeint, denn von hier aus seien die Schiffe ebenso nach Schweden wie nach Griechenland ausgelaufen. Die gebürtige Bremerin vermietet hier seit 1999 Ferienwohnungen mit Blick auf Wasser und Schleilandschaft. Und die ist vor allem im Frühling ganz besonders schön anzusehen: gelbe Rapsfelder, bunte Blumenmeere und grasende Pferde auf weiten Wiesen an den Ufern der Schlei, des so genannten Schmelzwasserarms. Für die Buch- und Kunsthändlerin Bahne Bahnsen ist es die lange historische Tradition, die ihr Herz für den nördlichsten Zipfel Deutschlands schlagen lässt „Die Wikinger haben eine große Bedeutung für die Region“, erklärt sie.


Zu sehen sind die Spuren der Wikinger etwa in den am Originalplatz rekonstruierten Bauten der einstigen Siedlung Haithabu am Westrand der Schlei gegenüber der Stadt Schleswig. Inmitten des alten Ringwalls gelegen, wurden sieben Häuser per 3-D-Rekonstruktion und auf Grundlage von Ausgrabungen und Funden neu errichtet. „Bei der Wiedererrichtung wurde fast
ausschließlich Material und Werkzeug aus der Wikingerzeit verwendet“, erklärt Bahne Bahnsen. Holzstege, Mole und Landungssteg vervollständigen die aufwändige Rekonstruktion. Besonders eindrucksvoll ist ein 18 Meter langes Wikinger-Schiff aus Eiche, das erst 1979 im nahe gelegenen Haddebyer Moor gefunden wurde. Heute ist die alte Handelskogge neben vielen anderen archäologischen Funden aus jener Zeit im nahe der Siedlung gelegenen Wikinger-Museum Haithabu zu bestaunen.

Kulisse für die TV Serie "Landarzt"

26 Jahre lang Kulisse für die TV Serie „Landarzt“, heute ein Café – der Lindauer Hof

Ebenso das Zeugnis einer vergangenen, wenn auch nicht so fernen Epoche ist die Fischersiedlung Holm, damals eine eigenständige Siedlung, heute ein Ortsteil Schleswigs. Holm ist ein nordischer Name und bedeutet „von Wasser umgeben“, erklärt Stadtführer Burkhard Hübner. Ursprünglich sei der Stadtteil eine Insel gewesen, auf der nur die Fischer wohnten. Bis 1933 verband eine alte Fischbrücke Holm mit dem Festland. Um den Friedhof gruppieren sich kreisförmig die kleinen einstöckigen, meist mit Rosenstöcken verzierten Häuser, die teilweise noch aus dem 12. Jahrhundert stammen. „Mehrere Brände zerstörten die einst reetgedeckten Bauten“, weiß Hübner, „die Jahreszahlen in den Giebeln stehen für deren Wiederaufbau im 18. und 19. Jahrhundert.“

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Getreidefelder im Wind

Wo einst der trennende Wassergraben Holm vom Festland abschnitt, markiert heute ein Zebrastreifen den Übergang in die Schleswiger Altstadt. Und die ist sehenswert. Besonders der Dom St. Petri mit seinem Kreuzgang und dem Bordesholmer Altar sowie die Wand- und Deckenmalereien. Von hier ist es auch nicht weit bis nach Schloss Gottorf und seiner Museumsinsel. In den ehemaligen Stallungen des Schlosses ist das Landesmuseum für Kunst des 20. Jahrhunderts beherbergt – Gemälde von Ernst Barlach, Emil Nolde und Ernst-Ludwig Kirchner sind hier zuhause. Über eine Kastanienallee und durch Teile des barocken Terrassengartens gelangt man zur Weltkugel im Globushaus – ein Nachbau des Originals aus der Zeit um 1660. Mit seinen über drei Metern Durchmesser stellt der Riesenglobus von außen die Weltkugel dar, in seinem Inneren birgt er ein Planetarium. Man steigt hinein, setzt sich und lässt die Sterne um sich kreisen, ohne sich dabei selbst zu bewegen.

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Einladendes Haus in Arnis


Auf dem Weg in Richtung Ulsnis zeigt die Schlei ihre üppige landschaftliche Schönheit. Der Wind biegt die Halme der weiten Getreidefelder, Häuser mit Reetdach und einladenden Fassaden, eine vereinzelte Windmühle und viele kleine Ortschaften: Brodersby, Rieseby, Schaalby – harmonisch eingebettet in die Landschaft. „Die Ortsnamen verweisen auf die wechselvolle Geschichte der Region“, klärt Bahne Bahnsen auf, „die Endung „by“ steht für Dorf und beweist, dass die Dänen hier einst heimisch waren.“

Heimisch fühlt sich der Besucher auch schnell im Café Krog nahe der Ortschaft Ulsnis. Bei Rhabarberkuchen, Trümmertorte und anderen selbstgebackenen Köstlichkeiten lässt man sich auf der Gartenterrasse mit Weitblick den Wind um die Nase wehen und frischt dieser mal kräftig auf, lockt der Innenraum mit Lesungen und Musik am offenen Kamin.

Wetterstation nach Wikinger Art

Wetterstation nach Wikinger Art


Eine kleine Autofähre führt nach Arnis, die kleinste Stadt Deutschlands. 300 Einwohner beharren hier auf ihr Stadtrecht. Eine holprige Kopfsteinpflasterstraße führt vorbei an schmucken Hausfassaden. Blau umrahmte Sprossenfenster, eine weiße Giebelfassade, eine rote Sitzbank – gezielte Auswahl, große Wirkung. Am Ende der Straße beginnt der Rundweg um Arnis entlang der Schlei vorbei an alten Holzstegen – und einem weiteren Zeugnis der Wikingerzeit: eine Original Wetterstation aus dem 8. Jahrhundert.

Ein schwerer Stein baumelt an einer Holzkonstruktion, daneben die erklärende Legende: Stein nass bedeutet Regen, Stein unsichtbar bedeutet Nebel, Stein heruntergefallen bedeutet Erdbeben, Stein dampft bedeutet Hitze nach Regen. Nur gut, dass der Stein gerade weder nass noch unsichtbar ist. Wäre auch wirklich zu schade.

Mehr Information
Schlei Ostsee GmbH
Plessenstr. 7, 24837 Schleswig
Tel. 04621/85005-0, Fax 85005-5
Internet: www.ostseefjordschlei.de

Der 180 Kilometer lange Wikinger-Friesen-Weg zwischen Maasholm an der Ostküste und St. Peter-Ording an der Westküste eignet sich hervorragend für Fahrradtouren.

Ferienwohnung von Dagmar Bahne Bahnsen mit Garten, Teehaus, Kaminraum und Bibliothek.
Tel. 04355/999775, Fax 999774.

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