Pisciotta im Cilento

Italien: Unbekanntes Cilento

Eine Landschaft wie aus einem Guss: mittelalterliche Dörfer, feine Sandstrände und Berge, die bis ans Meer reichen. Und das beste: Unberührt und verlassen ist hier nicht nur ein Wort – im Cilento ticken die Uhren anders.

„Buena giornata“ rufen uns die kartenspielenden Männer vor der Bar La Piazetta freundlich zu und auch der etwas abseits sitzende ältere Herr mit den grauen Haaren und der gegerbten braunen Haut grüßt überschwänglich und sucht gestikulierend das Gespräch. Er spricht von den Karstgrotten in Palinuro, von den vielen Touristen, die im Sommer die Schönheit der Küste zwischen der Punta Licosa und dem Capo Palinuro, der langgestreckten Felszunge, kennen lernen wollen und davon, dass er lange in Deutschland gelebt hat.

Der alte Mann mit dem Stoppelbart hat mehr von der Welt gesehen als Castellabate, das kleine 800-Seelen-Städtchen am Rande des Parco Nazionale del Cilento, Italiens jüngstem Nationalpark und Unesco-Weltkulturerbe. „In den 60ern bin ich mit meiner Familie nach Stuttgart gegangen“, sagt er stolz in gebrochenem Deutsch. So hat es das halbe Dorf gemacht. In den 1990ern seien viele wieder zurück gekehrt. Und seither besinnen sich die Menschen im Süden der Provinz Salerno auf die Schönheit ihres Cilento und setzen ganz auf den Fremdenverkehr – wohlgemerkt in seiner sanften, landschaftsschonenden Form, wie die Gemeindeverwaltung propagiert.

Weltabgeschiedene Ruhe in den Bergdörfern des Cilento

Die Dörfer liefern Idylle auf Schritt und Tritt

Verwinkelte schmale Gassen, die mit Rundbögen überspannt sind, ein tunnelartiges Stadttor, durch das früher das Vieh getrieben wurde, dazu mittelalterliche Fassaden, wohin das Auge blickt – im 1123 gegründeten Castellabate scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Auf steilen Treppenwegen gelangen wir zum Aussichtspunkt Belvedere, der Blick schweift über das Thyrrhenische Meer bis zur Insel Capri, wo abends die Sonne im Meer versinkt. Castellabate thront mit seinen 280 Metern Höhe wie ein Wachtposten über den Küstenstädtchen Santa Maria di Castellabate und den Fischerort San Marco, dabei scheint es förmlich über der Landschaft zu schweben. Eine Lage, die den meisten Orten im Cilento eigen ist. Sie schmiegen sich an einen Berg, hier fühlen sich die Bewohner geschützt vor übermäßiger Hitze und früher vor Raubüberfällen. Die Bewohner sahen von der Ferne den Feind herannahen, der meist über das Meer kam.

Wenn Anfang August vor allem die Italiener aus dem 80 km entfernten Neapel in die Küstenorte strömen, verlieren sie für kurze Zeit ihren weltentrückten Charakter. „Dann verwandeln sie sich über Nacht in geschäftige Touristenzentren“, sagt Claudia Steiner, „nur das Bergdorf lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.“ Die 39-Jährige Münchnerin kam vor zehn Jahren als Kunsthistorikerin in die Region – und blieb. Jetzt lebt sie in Marina di Pisciotta, ein verschlafener Küstenort weiter im Süden, vermietet mit ihrem Mann Roberto Ferienwohnungen und Häuser und organisiert kleine Führungen nach Paestum, den Ruinen einer griechischen Stadt mit drei dorischen Tempeln. „Den besterhaltenen außerhalb Griechenlands“ wie die Cilento-Liebhaberin bemerkt.

Im siebten Jahrhundert vor Christi sei das antike Paestum von griechischen Händlern gegründet worden, um 500 v. Chr. erlebte es seine Blütezeit und 273 v. Chr. wurde es römische Kolonie, klärt die Kunsthistorikerin auf. Und sie hat noch einen Tipp für uns: zwischen den antiken Ausgrabungsstätten von Velia, dem mittelalterlichen Ort Casal Velino und den langen feinen Sandstränden des Golfo di Velia liege das Zio Cristoforo, ein Ferienbauernhof, der durch seine typische Cilento-Küche glänzt.

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In den Morgenstunden hört man nur das Läuten der Glocken

 

Also auf nach Zio Cristoforo. Auf über 70000 Quadratmetern erstreckt sich das idyllisch gelegene Landgut– zwischen Hügeln, Meer und dem Fluß Alento liegen die vier Gebäude der Azienda verteilt. Fruchtbares Land, auf dem die meisten Zutaten der heimischen Küche gedeihen. Familie Crescenzo kocht ganz nach altem Rezept. „Die Küche ist bäuerlich, einfach und sehr gesund“, betont ein Tischnachbar an der langen Tafel auf der Terrasse mit Blick auf’s Meer. „Alles hausgemacht – vom Wein und den Likören über Käse, Wurst und Pasta bis hin zum Olivenöl.“

Wir vertrauen der Empfehlung des Kellners. Als Vorspeise frischgefüllte Auberginenröllchen , als erster Gang Pasta mit Meeressoße aus Tomaten, Muscheln, Garnelen und Tintenfisch und als Hauptgericht gegrillter Fisch mit in Olivenöl gedünstetem Paprika und Auberginen. Den Abschluss bilden Früchte mit einer feinen Ricottacreme. Am liebsten würden wir das Geheimnis der hiesigen Kochkunst selber ausprobieren. „Kein Problem“, sagt Marco, ein langjähriger Gast, „Koch Stefano gibt regelmäßig Kochkurse und führt in die cucina italiana ein.“ Eine gute Idee für’s kommende Jahr.

Am nächsten Tag zieht es uns noch einmal nach Castellabate in die Bar La Piazetta. Kurz nach der Siesta herrscht reges Treiben auf der Piazza. Und der alte Mann sitzt wie immer an gleicher Stelle. Wir erzählen ihm von den Entdeckungen unserer Reise und davon wie schön es in seiner Heimat ist. Diesmal nickt er nur und ist ohne Worte.

Mehr Information:
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Weitere Auskünfte: Italienisches Fremdenverkehrsamt, Lenbachplatz 2, 80333 München
Telefon: 0 89/53 45 27


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