Gargano: Fischen auf Pfählen

Auf dem Gargano, dem Sporn des italienischen Stiefels, sorgen spezielle Konstruktionen aus Pfählen und Masten für einen Fischfang ohne Boot. Die so genannten Trabucchi säumen vereinzelt die Küste zwischen Vieste und Peschici, manche werden sogar zum beliebten Fischrestaurant.

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Die langen Masten des trabucchi garantieren die Eigenversorgung des Fischrestaurants

Den Horizont fest im Visier, über den Köpfen ragen lange Masten und Leinen mehrere Meter weit ins Meer hinaus. Ein Dreimaster unterwegs auf hoher See, könnte man denken. Und doch ist es ein trabucco, das auf einer karstigen Felsklippe befestigt ist. „Mit dieser Fischfang-Konstruktion decken wir unseren gesamten Bedarf“, sagt Mario vom Fischrestaurant „Il Trabucco di Montepucci“, das mit der Fangbasis verbunden ist.

Es sind die fischreichen Strömungen nahe der Küste, die diese Art der Fischerei begünstigen. An den ins Meer hinaus ragenden Masten hängen große Senknetze, mit denen sich die reichen Fischgründe auch ohne Boot und trockenen Fußes ernten lassen. „Je größer die Senknetze, desto höher die Chance, vorbei schwimmende Fische zu fangen“, so die Grundregel dieser Methode. Gebaut sind die trabucchi aus Edelkastanien und widerstandsfähigen Robinien. Die Befestigungen mittels Schnüren und Seilen macht die Konstruktion beweglich und haltbar.

Viele dieser historischen Anlagen seien entlang der Küste zwischen Peschici und Vieste aufgegeben worden, berichtet Mario, „eine authentische Restaurierung ist meist zu kostspielig.“ Doch das Beispiel unterhalb des Sarazenenturms Torre Montepucci zeigt, dass es auch anders geht. Besonders am Wochenende ist das trabucco gut besucht. Aus Foggia und Manfredonia kommen die Ausflügler und genießen Essen und Aussicht auf der Plattform unter den Masten. Versüßt wird ihr Panorama zusätzlich mit der Sicht auf die Altstadt des nahe gelegenen Peschici. Etwa 90 Meter hoch liegt der Ort auf einem ins Meer ragenden Felsrücken.

Von der lebendigen Piazzetta mit ihren Eiscafés und Bars führt der Weg hinauf zur Felsspitze mit den Überresten des alten mittelalterlichen Kastells. Man schlendert durch enge Gassen mit weiß gekalkten Häusern, üppig mit Blumen geschmückten Balkonen, an denen die frisch gewachsene Wäsche im mediterranen Wind trocknet. An jeder Ecke laden stilvolle Läden mit Kunsthandwerk, Olivenöl- und Pasta-Spezialitäten zur Rast – stets begleitet vom freundlichen Lächeln der Bewohner. Am Ende der Via Castello ist die Sicht frei – man schaut über die Silhouette des 4000 Seelen Ortes mit seinen teils kuppelartigen Dächern, die einen Hauch orientalischen Flair vermitteln. Unweigerlich schweift der Blick hinüber zum langen Sandstrand, der sich bis zum nächsten Felsvorsprung gen Norden erstreckt. Genau dort, wo die langen Masten des Trabucchi di Montepucci auf Fischfang gehen.

Eine Renaissance erfahre der traditionelle Fischfang jedes Jahr Ende Juni, fällt Mario noch ein. Beim Festival der trabucchi in Vieste lebe die Geschichte dieser einzigartigen Fangart wieder auf. In der Nähe des Hafens, dort, wo die alten trabucchi des Küstenstädtchens liegen, erinnert das Festival an jenes Zeitalter, als die Gemeinschaft der Fischer von Vieste hier ihre Seefischerei und damit ihre Familien ernährten. Ein Blick zurück in diese Epoche lohnt sich – das weiß man spätestens, wenn man die geschmackvoll zubereiteten Fischspezialitäten mit Aussicht auf den Horizont genießt.

Mehr Information
www.enit-italia.de

Essen
Al Trabucco da Mimi
Localitá Punta San Nicola
71010 Peschici (Gargano)
Tel. +39 0884 962556
www.altrabucco.it

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