Praia, Kapverden

Wenn Spaniens Fluglotsen streiken

Zwei wunderschöne Wochen auf den Kapverdischen Inseln gehen zu Ende. Nach der Landung auf Santiago bleiben mir bis zum Abflug nach Lissabon noch gut acht Stunden am Airport von Praia. Von den vielfältigen Eindrücken der Inselwelt zehrend sollte die Wartezeit unter Palmen vor dem Terminal kein Problem werden. Eine deutsche Zeitung am Kiosk spricht vom Wintereinbruch in Deutschland und von chaotischen Straßenverhältnissen, so entdecke ich bei einem Rundgang. Gelesen, geschmunzelt, abgehakt – solche Schlagzeilen sind weit weg, wenn man bei 28 Grad im Schatten die Sonne genießt.

Doch die erste ernsthafte Verwirrung lässt nicht lange auf sich warten. Der geplante Abflug um Mitternacht verzögert sich um drei bis vier Stunden. Damit wäre der Anschluss nach München verpasst. War eben noch die Welt in bester Ordnung und die nächsten Schritte vorhersehbar, scheint mit einem Mal alles in Frage gestellt. Selbst die Palmen können da nicht mehr helfen. Auch bei den Mitreisenden ist die Laune getrübt: hektisches Nachfragen, unverständliches Kopfschütteln, angespanntes Nervenkostüm.

Das Terminal von Praia auf Santiago, Kapverden

Das Terminal von Praia auf Santiago, Kapverden


Die Zeit vergeht nur zäh. Die üblichen Wege, mal auf, mal ab, noch ein Espresso, dieselbe Seite im Buch zum x-ten Mal gelesen. Und dann geht alles ganz schnell. Unsere Maschine aus der portugiesischen Hauptstadt landet, husch husch wird geboardet und der Flieger reckt sich in den Luftraum über dem Atlantik. Doch die Hoffnung, die Welt sei nun wieder in Ordnung, hält nicht lange. Die Crew macht klar, dass in Lissabon kaum eine Maschine nach Mitteleuropa starten kann. Der Grund: Die spanischen Fluglotsen streiken und damit sei jedes Passieren der iberischen Halbinsel unmöglich. Das Ende des Streiks völlig offen.

Doch irgendwie kümmert es den müden Passagier weniger, was da jemand über Lissabon erzählt, Hauptsache man fliegt erst mal und überhaupt kann sich in drei Stunden ja schon alles wieder entspannt haben. Und wieso eigentlich Spanien? Man kann doch auch über den Atlantik fliegen oder? An der Küste entlang, am Problem vorbei. Wie auch immer, erst mal Lissabon.

Flurfunk bringt die Lösung

Und tatsächlich: Lissabon ist das lebendige Chaos in all seinen Facetten – nicht enden wollende Schlangen von Reisenden vor den Schaltern, ein Wirr Warr von Durchsagen, überforderte Flughafenangestellte, Konfusion und Gereitztheit kennzeichnen die Situation am Lissaboner Airport an jenem dritten Advent vor drei Jahren. Was tun? Etwa bei den Umbuchungen anstehen, wo nicht mal klar ist, dass noch eine Maschine heute abhebt. Oder doch stur am Gate warten, wo der ursprüngliche Flug nach München noch aufgeführt ist. Oder lieber die Airline konsultieren und eine ganz andere Variante erwägen. Die Lösung kommt wie aus dem Nichts. Begünstigt durch den hoch frequentierten Flurfunk im Terminal. Und das beste ist: die Alternative klingt auch noch glaubwürdig, zumal sie ein Reisender verbreitet, der nicht von der allgemeinen Hysterie angesteckt scheint – ein Hoffnungsschimmer.

Das Problem: Dieser mögliche Flug nach Hamburg am frühen Abend funktioniert natürlich nicht ohne Umbuchung. Und der Blick auf genau diese Schlange verheißt nichts Gutes. Doch immerhin geht sie voran, im Gegensatz zu meiner aktuellen: die stagniert seit zwei Stunden. Also den Schwenk gemacht und tatsächlich noch einen Platz Richtung Hansestadt gebucht. Allerdings sei ungewiss, ob heute noch eine Verbindung nach München zustande kommt, so die gestresste Dame am Counter. Egal, Hamburg klingt schon mal nach Heimat.

Hauptsache erstmal gestartet

Hauptsache erstmal gestartet

Doch die Vorhersagen sind schlecht. Auch ein Überfliegen des Luftraums entlang der Küste scheint problematisch. Stunden später dann doch das Go. Am späten Nachmittag hebt der Flieger ab. Es geht über Frankreich, Benelux nach Hamburg. Endlich angekommen zeigt sich, dass auf den deutschen Boulevard Verlass ist. Ein heftiges Schneechaos hat die Hansestadt fest im Griff. Alle Flüge sind für den Abend gestrichen. Was jetzt?

Wie schön, dass in so mancher ausweglos erscheinender Lebenslage eine glückliche Wendung steckt. Zumindest wenn man dran glaubt. Vielleicht lag es ja auch an meinem positiven Karma, das durch die Kapverden ordentlich auftanken konnte, gepaart mit einem Überfluß an Leichtigkeit, dass gleich zwei Airline-Angestellte sich geradezu fürsorglich um mein Leib und Wohl bemühten. Flugs organisierten sie mir im Airport nahen 5 Sterne Hotel eine Junior Suite. Ach ja und das Gepäck, auch kein Problem, das checken wir gleich durch für die erste Maschine nach München morgen früh. Der Weg zum Hotel? “Das Hoteltaxi wartet bereits auf Sie”. Herr Howest, “wir wünschen eine gute Nacht.”


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