Piemont: Auf den Spuren der Savoyer

Im Piemont und seiner Hauptstadt Turin hinterließ die Dynastie der Savoyer vielseitige Zeugnisse ihrer Herrschaft – allein 17 Schlösser gehören zum Unesco Weltkulturerbe.

„Die blauen Trikots der italienischen Fußball-Nationalmannschaft erinnern noch heute an die Savoyer“, stellt Alessandra Palombo klar. Im Zeitraum zwischen 1861 und 1946 waren die Savoyer Italiens Könige – und etablierten königsblau als Farbe ihrer Dynastie stellvertretend für das ganze Land. Daraus sei die weltbekannte „squadra azzurra“, die blaue Mannschaft Italiens entstanden, erklärt die kundige Turinerin.

Doch damit nicht genug. Besonders in der Region Piemont findet man heute Zeugnisse der Savoyer auf Schritt und Tritt. Am auffälligsten ist die markante Achse entlang des Corso Francia in Turin, jener mit 20 Kilometern längsten Prachtallee Europas, die einst von den Römern angelegt und später von den Savoyern weiter ausgebaut wurde. „Sie verbindet das Castello di Rivoli, den Geburtsort der Könige mit dem Palazzo Reale, dem Zentrum der Macht und der Basilica di Superga, wo sie begraben sind“, klärt die Turinerin auf. Ein Aufstieg mit der Zahnradbahn auf den östlich des Stadtzentrums liegenden 700 Meter hohen Hügel hinauf zur Basilica lohnt sich allein schon wegen der fesselnden Aussicht über die Stadt. Hinzu kommt die opulente Ausstattung der Basilica des Architekten Filippo Juvarra. Führungen durch die Grüfte der savoyischen Könige machen die Visite zusätzlich attraktiv.

Arkaden nahe der Piazza San Carlo in Turin

Arkaden nahe der Piazza San Carlo in Turin

Ein Besuch im Palazzo Reale, das vom herzöglichen Architekten Amedeo di Castellamonte erbaut wurde und bis 1865 offizielle Residenz der Savoyer im Herzen der Stadt war, bringt dem Besucher die privaten Gemächer des Königs und der Königin sowie deren Repräsentationssäle näher. Umgeben von prunkvollem Dekor – allen voran der Thronsaal mit seinen königlichen Insignien, den Spiegel- und Gemäldegalerien, den Kristalllüstern, bemalten Kassettendecken und der Sammlung chinesischen Porzellans, fühlt man sich wie in eine andere Welt versetzt. Schließlich durchschreitet man den Salone da Ballo, den Ballsaal mit seinen 20 Säulen, in dem einst bis zu 2000 Personen tanzten. Über die meisterhaft gestaltete Treppe Scala delle Forbici von Filippo Juvarra gelangt man wieder hinaus auf die Piazetta Reale.

Palazzo Reale in Turin

Palazzo Reale in Turin


„Das Castello Rivoli wurde nie ganz vollendet“, sagt Palombo und zeigt dabei auf die Nahtstellen der baulichen Fragmente. Auf einer Moränenanhöhe über dem Suzatal thront das Castello und wirkt wie ein Vorposten der pulsierenden Metropole Turin. Einst bewachte es den Eingang zum strategisch wichtigen Suzatal. „Für die Savoyer war es ein Lebensmittelpunkt“, weiß Palombo, „heute ist es ein Museum.“ Alle drei Monate finden in den Sälen des Schlosses wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst statt. In den mit grotesken Deckenmalereien von Juvarra ausgestatteten hohen Schlossräumen erzielen die neuzeitlichen Exponate ihre besondere Wirkung. Wandteppiche, die einst ein Zeichen von Reichtum darstellten, sowie Vries mit Malereien steigern den Kontrasteffekt noch zusätzlich.

Jedem Besucher wird klar: Die Zeugnisse dieser fast 1000-jährigen Dynastie sind doch weit vielschichtiger als ein blaues Trikot ….

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