El hotelito_kleinstes Hotel der Welt

El Hierro: Am Ende der alten Welt

Lag sie einst vergessen im Atlantik, mutiert die westlichste Kanareninsel immer mehr zum Paradies für Individualtouristen. Auch wenn El Hierro auf den Zug der Zeit aufgesprungen ist, ist ihr charakteristischer Charme ganz unverfälscht geblieben.

Auf der Küstenstraße westwärts Richtung La Dehesa erstrecken sich die Lava-Felder endlos weit. Hier Schlackenlava, die schroff hinunter ans Meer abfällt, dort Stricklava, deren außergewöhnliche Formen an Tauseile erinnern. Am Ende des Lava-Feldes hält der Faro de Ochilla seine Stellung. „Nicht irgendein Leuchtturm“, meint Aminata, die Deutsche Reiseführerin. „Dieser markierte bis Ende des 19. Jahrhunderts den Nullmeridian, das Ende der Alten Welt.“

Aminata, alias Gerda, kam vor knapp 30 Jahren auf die Insel

Aminata, alias Gerda, kam vor knapp 30 Jahren auf die Insel

Bis in die 1970er wanderten die Herreños nach Südamerika aus

In die neue Welt hingegen wanderten viele Herreños in den 1950er bis 1970er Jahren aus. Südamerika lockte mit Arbeit, die es auf der Insel nicht gab, weiß Aminata aus Erzählungen über diese Zeit. Die Bevölkerung ging damals von 15.000 auf 6.000 zurück. Erst langsam kamen die Insulaner in den 80er Jahren aus Kuba, Mexiko und Venezuela heim auf ihr Eiland, um am wirtschaftlichen Aufschwung teilzuhaben – heute zählt die mit zwei Millionen Jahren jüngste der Kanaren etwa 11.000 Seelen.

Eine von ihnen ist Aminata, die eigentlich Gerda heißt und aus dem Schwäbischen stammt. Sie verliebte sich schon vor gut 27 Jahren in die Vulkaninsel – und blieb. Heute erzählt sie den Besuchern von einer Zeit, als das Leben auf der Insel noch viel verschlafener war – und beschwerlicher. „Mittlerweile findet man ja alles zum Leben“, erzählt die deutsche Einwanderin. Angefangen von den gut asphaltierten Straßen aus Eu-Töpfen und einem Tunnel, der den Norden um die Hauptstadt Valverde mit der fruchtbaren Region El Golfo verbindet, dem „wirtschaftlichen Herz der Insel.“

Hier zeigten einst die Palmeros von der Nachbarinsel La Palma den Herreños, wie Plantagenanbau funktioniert. Jetzt gedeihen in dem fruchtbaren Tal Wein, Ananas, Bananen, Avocados, Papayas und Tomaten. Doch ohne Wasser hätten auch die besten Tipps nichts genutzt. „Vor gut 15 Jahren entdeckte man einen Tiefwassersee in El Golfo“, sagt Aminata. Ein Glücksfall, denn die Herreños spüren die Klimaveränderung immer deutlicher am mangelnden Niederschlag.

Kurz nach der Tunnelpassage erstreckt sich der weite Küstenstreifen von El Golfo, nach Süden geschützt durch eine massive Gebirgskette, darunter der Malpaso, mit 1500 Metern höchste Inselberg. Von der Straße aus schweift der Blick die Küste entlang und verharrt an einer Stelle. Eine schmale Zufahrt führt zu einem Felsvorsprung, auf dem ein Haus aus Lava-Gestein der kräftigen Brandung trotzt. „El hotelito“, sagt die Deutsche „mit drei Zimmern das kleinste Hotel der Welt“. Nicht immer sei es so idyllisch wie es jetzt scheint. Manchmal hätten die Wellen solche Kraft, dass sie die Fenster eindrücken.

Die Insel setzt ganz auf sanften Tourismus

Doch gerade solche Erlebnisse gehören zu einer Insel, die den sanften Tourismus fördert. Die rund 2.000 Betten der Insel sind meist in typischen Landhäusern, idyllischen Pension oder stilvollen kleinen Hotels untergebracht. Das Label als „Bioshärenreservat“ wirkt dabei unterstützend. Zu 80 Prozent gewinnt die Kanareninsel ihren Strom aus Wasser und Wind, den Rest liefern Sonnenkollektoren und eine Biogasanlage.

Jedes mal wundern sie sich dann über den Fortschritt auf der Insel. Die Rede ist von den Emigranten aus der neuen Welt, die mindestens alle vier Jahre nach El Hierro zurück kommen – zur bajada de la Virgin de los Reyes, zur Prozession der Schutzpatronin, immer am ersten Samstag im Juli.

Mehr Informationen
Spanisches Fremdenverkehrsamt
Turespaña-München
Myliusstraße 14
60323 Frankfurt/Main
Tel: 069-72 50 33-38
frankfurt@tourspain.es

Anreise
Mit Air Berlin oder Iberia von Frankfurt/Main nach Teneriffa Süd oder Nord, dann weiter entweder mit der Fähre ab Los Christianos (www.fredolsen.es) oder weiter mit der kanarischen Flug-Gesellschaft Binter www.bintercanarias.com

Übernachtung
Hotel del Balneario del Pozo de la Salud
Pozo de la Salud s/n
Sabinosa/El Hierro
Tel: 00-34-922 55 95 61
http://www.insel-hierro.de/html/hotel_pozo_de_la_salud.html

Essen
Restaurante Mirador de la Peña (Ausblick über das Tal El Golfo)
Carretera Gral. Del Norte, 40
Valverde, Guarazoca
http://11870.com/pro/el-mirador-la-pena

Restaurante La vieja Pandorga (Fischspezialitäten)
Calle Esquina La Lapa 3
La Restinga
http://www.la-restinga.de/bars_restaurantes.php


2 Gedanken zu „El Hierro: Am Ende der alten Welt

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