Archiv der Kategorie: Städte & Metropolen

Rom: Wenn der Papst die Carabinieri empfängt

Ist der Petersplatz überfüllt und die Kathedrale geschlossen, dann schlägt die Stunde der vielen Stadtführer rund um den Vatikan.

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Manchen geht die Szenerie auf dem Petersplatz sehr ans Gemüt

Für Giancarlo hat es sich gelohnt, dass er zweisprachig aufgewachsen ist. Sein akzentfreies Deutsch kommt in jeder Touristengruppe gut an. Doch es ist nicht nur sein gutes Deutsch. Der gebürtige Römer versteht es, trotz Massenansturm in den Vatikanischen Museen, die Besucher mit Leidenschaft, Charme und fundiertem Wissen zu begeistern. Er hält ihre Aufmerksamkeit und Konzentration auf hohen Niveau, bis er sie nach gut 2,5 Stunden endlich in die Sixtinische Kapelle führt.

Eigentlich haben wir für heute einen Besuch der Basilica de San Pietro, dem Petersdom fest eingeplant. Doch schon an der Metrostation Ottaviano wird das Durchkommen schwer. Zäh zieht sich der Besucherstrom gen Vatikan. Alle paar Meter tönt es von den Kontaktanbahnern der Stadtführungsagenturen: „The Church ist closed today“. Um gleich im nächsten Satz ihr eigenes Altenativangebot feilzubieten. Weiterlesen

Malmö: Pippi wohnt jetzt im Hochhaus

Sie hat den Imagewandel erfolgreich bewältigt, von der Arbeiterstadt zur modernen Wirtschaftsmetropole. Schwedens drittgrößte Stadt ist jung, voller Überraschungen und höchst kreativ. Ein Wochenende in Malmö reicht aus um verzaubert zu werden.

Als würfe jemand mit der Rückhand eine Frisbeescheibe. Dieses Bild einer gedrehten Wirbelsäule beim Wurf lieferte dem spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava die geistige Vorlage für ein Bauwerk, das zum Symbol des neuen Malmö geworden ist – des Turning Torso. 190 Meter ragt das Hochhaus in den Himmel und hat sein Fundament dort, wo einst mehr als 6000 Arbeiter in den Werften Schiffe bauten – in Västra Hamnen, im westlichen Hafen. Weiterlesen

Krakau: Museen der besonderen Art und jede Menge Musik

Für viele ist sie immer noch die Stadt Johannes Paul II, für andere ist sie die heimliche Hauptstadt Polens. Doch für jeden spürbar wird Krakau als Metropole mit einzigartigen Museen und Musik, wohin man auch geht.

Weinberg, Kohan, Babelstein oder Nowak heißen die Läden. Sie liegen in der ulica Szeroka, im Herzen des jüdischen Viertels Krakaus, dem Kazimierz. Klezmer Musik dringt aus dem Restaurant an der Ecke. Eine junge Frau mit Blume im Haar heftet Zettel an Tür und Fenster des Lokals. „Jüdische Musik live ab 19 Uhr“ verkündet sein Inhalt. Die Dunkelhaarige lächelt herüber und lädt ein zu einem Blick ins Innere. Weiterlesen

Madrid: Viel Trubel in der Kapitale

Wer für ein Wochenende in die spanische Hauptstadt reist, ist gut versorgt mit Kunst und Kultur und der Gabe der Madrilenen die Nacht zum Tag zu machen.

Dutzende von Kleingruppen drängen sich durch die Gassen rund um die Plaza Santa Ana, aufgeregt redend, hemmungslos lachend, wild gestikulierend. PKWs und Taxis bewegen sich im Schneckentempo, vor den Bars und Diskotheken bilden sich lange Schlangen. Es ist drei Uhr morgens in der Nacht von Freitag auf Samstag. „Das ist ganz normal“, sagt Manuel Martínez, „viele finden erst gegen zehn oder später nach Hause.“ Der gebürtige Andalusier aus Granada lebt seit den 70er Jahren in der Hauptstadt und ist irgendwann aus dem Zentrum hinaus an den Stadtrand gezogen auf der Suche nach mehr Ruhe, wie er lächelnd zugibt. Weiterlesen

Istanbul: Herzschlag für Europa

Die Metropole am Bosporus verbindet die arabische Welt mit dem Abendland. Und ist damit der Europäischen Union ganz nah. Manche fühlen sich schon als Teil davon und tun etwas für die Verständigung.

Sonntags ist auf der Galata-Brücke Hochbetrieb. Im oberen Teil der zweigeschossigen Brücke stehen die Fischer in Reih und Glied. Alle paar Minuten lassen sie ihre Köder hinunter ins Goldene Horn, jenem Seitenarm des Bosporus, der auf zehn Kilometer Länge den europäischen Teil Istanbuls trennt. Während man in der unteren Etage der Brücke im Restaurant seinen Fisch verspeist, kann es passieren, dass vor dem Fenster ein Fisch an der Angelrute zappelt. Nicht weit entfernt am Fähranleger Eminönü vor der Silhouette der gewaltigen Süleyman-Moschee flanieren Alt und Jung, Moslems und Christen, Touristen und Einheimische am Ufer des Goldenen Horns. Die meisten bestellen an den mächtig schwankenden Restaurantschiffen Balik Ekmek – gegrillter Fisch im Brot mit hohem Kultstatus.

Fischen auf der Galata-Brücke

Fischen auf der Galata-Brücke

Haldun ist jeden Sonntag hier. Der junge Student aus Ankara, der seit einem Jahr an der Universität Istanbul Deutsch studiert, beobachtet das Treiben der Menschen rund um den Fähranleger mit Blick auf den Galata-Turm, einem genuesischen Wachturm, der seit dem Jahr 1348 über das einstige Händlerviertel thront. Hier lernt er am besten Deutsch. „Meist spreche ich Touristen an, die wie Deutsche aussehen“, meint der 19-jährige, „wenn sie wollen, führe ich sie durch die Altstadt.“ Haldun wünscht sich nichts sehnlicher als ein Teil Europas zu sein. In Deutschland war er noch nie, aber sein Lieblingsverein heißt Hansa Rostock. Für ihn ist die deutsche Sprache ein Türöffner. Genauso wie Istanbul noch immer für viele Zuwanderer aus Anatolien Arbeit und Wohlstand verheißt. Heute leben in der weltweit einzigen Stadt auf zwei Erdteilen rund 12,5 Millionen Menschen. Mehr als eine Viertel Millionen von ihnen sind Studenten.

Nicht erst seit Istanbul im Jahr 2010 den Status als Kulturhauptstadt Europas inne hatte, bietet die größte türkische Stadt eine breit gefächerte Szene von jungen Künstlern in Musik, Theater, Oper und Ballett. Hinzu kommt die agile türkische Modebranche, die in der Stadt zuhause ist. Aber auch ihre Chance als Kulturhauptstadt hat die Metropole genutzt: Neue Bauten entstanden, andere wurden restauriert. Selbst ganze Stadtviertel fielen teils unter den Hammer. Ein so genannter Stadterneuerungsplan sollte ganze Viertel umkrempeln. Sehr zum Missfallen der betroffenen Bevölkerung. Bürgerinitiativen entstanden, Architekten liefen Sturm. „Ohne Chance“, weiß Haldun über den Widerstand zu berichten. So sei etwa Sulukule, das alte Vergnügungsviertel und gleichzeitig das älteste Viertel der Stadt überhaupt im März 2008 komplett abgerissen worden. Moderne Wohnhäuser für Wohlhabende werden hier entstehen.

Quo vadis Istanbul?

Quo vadis Istanbul?

Ein deutsches Pärchen profitiert heute von Halduns Stadtführer-Qualitäten. Er führt seine Gäste vom ganz im Zeichen des Staatsgründers Atatürk stehenden Taksim Platz hinunter zur Galata-Brücke. Unterwegs zückt er immer wieder sein kleines Wörterbuch und wirft überglücklich die nächste Vokabel ein.

Die Bosporusbrücke

Die Bosporusbrücke

Haldun begleitet sein Pärchen über die Shopping-Meile Istiklal Caddesi, jener Prachtstraße im Jugendstilcharakter mit ihrer Mischung aus europäischem und orientalischem Flair, verweilt am 70 Meter hohen Galataturm und streift durch die engen Gassen von Beyoğlu mit ihren kleinen Kunstgewerbe-Läden, Boutiquen und Schmökerstuben.

Am frühen Abend ist um die Brücke der Trubel groß. Musik und Konzerte locken besonders junge Leute aus allen Stadtteilen. „Eine tolle Stimmung“, gibt sich Haldun begeistert und ist zugleich stolz darauf, seinem deutschen Touristenpaar Highlights einer Stadt zu zeigen, in der er selbst schnell heimisch geworden ist.

Übernachtung

The Marmara Istanbul
Taksim Meydani
34437 Istanbul
Tel. +90 212 251 46 96
www.themarmarahotels.com

Preis & Buchung:
Preise ab 140 Euro pro Doppelzimmer und Nacht.
Öger Tours, www.oeger.de