Archiv der Kategorie: Menschen & Regionen

Andalusien: Siesta unter Palmen

Maurisches Erbe und christliche Symbole, Fiestas zwischen Feiern und Frömmeln, kilometerlange goldgelbe Strände und Bars mit Wohnzimmercharakter – unterwegs zu den Schätzen Andalusiens.

Warme Luft weht durch die engen, verwinkelten Gassen, Wüstenluft aus der Sahara. Unter den Absätzen klackert der Asphalt, nur noch vereinzelt kommen Passanten entgegen, eine Kirchturmuhr schlägt drei Uhr nachmittags. Aus der Ferne erklingt die schneidende Stimme eines Losverkäufers der staatlichen Blinden¬lotterie. Der süße Duft von Jasmin und Orangenblüten vermischt sich mit dem Geruch von Espresso und hochkonzentriertem Putz¬mittel. Siesta in Ayamonte, einer Kleinstadt direkt an der Grenze zu Portugal und an der Mündung des Flusses Guadiana in den Atlantik gelegen.

Blick auf die Silhouette Cordobas

Blick auf die Silhouette Cordobas

Wie vor zwanzig Jahren hatte ich die Fähre über den Grenzfluss Guadiana genommen, statt, wie neuerdings üblich über die Autobrücke zu fahren. In alten Erinnerungen schwelgend wählte ich die außergewöhnliche Route von Faro an der Algarve, um mit dem Mietwagen in mein geliebtes Andalusien einzureisen. „So erlebe ich am intensivsten den Mentalitätsunterschied“, sagte ich mir. Hier die eher melancholisch und ruhig anmutenden Portugiesen, dort die temperamentvoll-feurigen Andalusier. Der Fluss trennt zwei Welten.

Die Mezquita von Cordoba

Die Mezquita von Cordoba

Der Mittvierziger ist wie immer pünktlich. Um vier vor der Kirche Parroquia del Salvador, so hatte ich es mit Juan Perez Martinez vereinbart, dem waschechten Sevillano und Freund aus gemeinsamen Kölner Tagen. Zusammen wollen wir erkunden, ob die Playa Bolonia, jener Strand an der 250 Kilometer langen Costa de la Luz, der Küste des Lichts, noch immer so goldfarben leuchtet und nahezu unberührt ist wie vor 20 Jahren. Bis zum Küstenstädtchen Isla Christina ist es nicht weit – es ist bekannt für seine hervorragenden Fischspeisen und wie geschaffen für eine erste Rast.

Die Bar gehört zum Alltag der Andalusier

Die Bar gehört zum Alltag der Andalusier

Dass der Fischfang noch heute neben dem Tourismus zu den wichtigsten Einnahmequellen des Pueblos gehört, ist täglich bei der Fischversteigerung in der Fischhalle La Lonja zu bewundern, meint Juan. „Ein besonderes Spektakel“, sagt er begeistert. Doch es sind auch die zwölf Kilometer feiner Sandstrand und das kristallklare Wasser des Atlantiks, die den Ort nahe des Naturparks Marismas de Isla Christina, so attraktiv machen. Vom Chiringuito, der kleinen Strandbar, die es überall an Andalusiens Stränden gibt, wandert der Blick gen Horizont, wo zwei Schiffe Kurs auf die Straße von Gibraltar nehmen.

Die Virgin de .... als Schutzheilige

Die Virgin de …. als Schutzheilige

„Apropos Naturpark“, erinnert sich Juan und verweist auf den nahen Coto Doñana, Spaniens größten Nationalpark und zugleich eines der weltweit wichtigsten Feuchtgebiete. Etwa sechs Millionen Zugvögel legen hier eine Pause ein, wenn sie im Frühjahr und im Herbst ihre Lebensräume in Afrika und Europa wechseln, manche überwintern auch. „Eine einzigartige Landschaft“, schwärmt Juan, der auch zehn Jahre nach seiner Rückkehr in die Heimat nahezu akzentfrei Deutsch spricht. Er erzählt gestenreich, wie alljährlich zu Pfingsten kilometerlange Karawanen aus geschmückten Planwagen, begleitet von stolzen Reitern in andalusischer Tracht, durch Pinienwälder, Korkeichenhäine und Sumpfland bis zu den Wanderdünen ziehen.

Ihr Ziel sei das 500-Seelen-Dorf El Rocío. Zu Ehren der heiligen Jungfrau, die im 7. Jahrhundert in den nahen Sümpfen gefunden worden sein soll, werde dort tagelang gebetet, gefeiert und geflirtet. Zu erleben sind feuriger Flamenco und tief verwurzelter Glaube. „Das alles vor einer Kulisse wie aus einem Western“, ist Juan jetzt ganz in seinem Element.

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Die begehrten Paradores, staatliche Hotelketten, liegen meist im Zentrum vis á vis historischer Bauten

Die Gedanken fließen während wir auf der Autopista del Quinto Centenario, einer Schnellstraße, die 1992 zum Gedenken an den 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas fertig gestellt wurde, in nur einer knappen Stunde bis in die Hauptstadt Andalusiens – nach Sevilla – fahren.

Ich kann es kaum erwarten endlich den Alcázar wieder zu sehen, jenen Königspalast, der auch die kleine Alhambra genannt wird. Auf Schritt und Tritt sind im Palast die Symbole des christlichen Spanien – die Burg und der Löwe – zu sehen, aber ebenso Lobpreisungen Allahs auf kufischen Spruchbändern. Maurische und christliche Symbole vermischen sich, „weil maurische Baumeister aus Granada den Königspalast auf Weisung des christlichen Königs Peter des Grausamen errichtet haben“, weiß Juan, der im Nebenjob als Cityguide deutsche Gruppen durch seine Heimatstadt führt. Für Juan ist es das perfekteste Werk des Mudéjar-Stils, jener Verschmelzung des christlichen Baustils mit der maurischen Baukunst.

Die Alhambra von Granada

Die Alhambra von Granada

Viele der prunkvollen Bauwerke aus der Zeit der maurischen Herrschaft, die im 8. Jahrhundert begann, sind noch heute in ganz Andalusien verstreut, ob ganz berühmt wie die Alhambra von Granada und die Mezquita von Córdoba oder versteckt in Kirchen und Palästen im ganzen Land. Ganz Andalusien ist unter der Herrschaft der Araber kulturell, geistig und wirtschaftlich aufgeblüht. Von allen spanischen Gebieten, welche die Mauren eroberten, blieb Andalusien am längsten in den Händen der Araber. Erst 1492 wurde es im Rahmen der Reconquista von christlichen Herrschern zurückerobert. Für Juan einer der Gründe, warum die Uhren zwischen der Levanteküste im Osten und der Costa de la Luz im Westen anders ticken als im übrigen Spanien.

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Typisch sind die Alcázares, die Prunkgärten

Nicht weit von den Mauern des Alcázar entfernt liegt die Giralda, der 76 Meter hohe Glockenturm der weltweit größten gotischen Kathedrale, dem Wahrzeichen Sevillas und zugleich ein weiteres Beispiel für den Stilmix. Denn das ehemalige Minarett der Hauptmoschee ist bis heute Teil der Kathedrale.

Nach den ersten kultuerellen Leckerbissen ist Zeit für Chocolate con Churros, dem typisch spanischen Gericht zur Kaffeezeit, bestehend aus dickflüssiger Trinkschokolade mit länglichem Krapfen. Die schmecken am besten am Ufer des Rio Guadalquivir vis-á-vis des erhabenen Torre de Oro, dem Goldturm. Und nach einem Gang durch das alte Judenviertel Barrio Santa Cruz und einem Besuch bei den Bauten der Weltausstellung mit dem riesigen Spannarm der Alamillo-Brücke des Stararchitekten Santiago Calatrava, drängt Juan mehr und mehr in sein Wohnzimmer – in die Bar.

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Barmänner sind wahre Künstler hinterm Tresen

Besonders am frühen Abend um acht beginnt die Stunde der Tapas. Das Rinconcillo, die älteste Bar Sevillas aus dem Jahr 1670, nahe der Kirche Santa Catalina gelegen, lädt ein zur ersten Rast. Denn: „Man zieht mindestens in drei bis vier Bars seiner Wahl“, erklärt Juan, „in einer allein bleibt man selten.“ Dicke Schinken hängen von der Decke, rustikale Holzregale mit Whisky, Schnaps und Wein zieren die Wände im Thekenbereich, um die runden Tische aus riesigen Weinfässern stehen jung und alt, Einheimische und Touristen, Handwerker und Juristen. „Una de Espinaca“, ruft einer der vier flinken Barmänner den schwitzenden Kollegen in der Küche zu und schon steht eine kleine Portion, höchstens Untertellergröße – die Spezialität des Hauses, Spinat mit Kichererbsen – bereit.

Bars liegen meist in Sichtweite der Kirchen

„Tapas lenken vom Alkohol ab“, klärt der Camarero, der Barmann auf, „sättigen müssen sie nicht.“ Er addiert flugs die Rechnung mit Kreide auf dem Holztresen und hat stets noch ein offenes Ohr – wahre Artisten in weißem Hemd und schwarzer Hose. Weiter geht’s durch die teils mit Segeltuch überspannten Gassen, die so vor der Hitze schützen, in die nächste Bar – die Bar Eslava nahe der Plaza San Lorenzo. Maite, Juans Frau wartet hier schon mit den beiden Kindern José und Blanca. Die flitzen schon in jungen Jahren zwischen den Gästen hin und her, kennen jeden und fühlen sich hier pudelwohl Küsschen links, rechts und wieder links – das ist so üblich im Süden.„Die Bars gehören zu Sevilla wie die Kaffeehäuser zu Wien und die Kölschkneipe zu Köln“, muss Juan noch los werden. Wenn in der Semana Santa, der Karwoche vor Ostern, Tausende von Menschen Straßenränder und Plätze säumen, erst leidenschaftlich trauern und anschließend wild feiern – dann müsse eine Bar in der Nähe sein. „Ein Grund dafür“, mischt sich Maite ein, „dass die Bars meist in Sichtweite der Kirchen liegen.“

Innerhalb der Alhambra

Innerhalb der Alhambra

Und das ist nicht nur in Sevilla so. Auch in den folgenden malerischen Orten und Städten unserer Reise liegt die Bar vis-á-vis der Gotteshäuser. Den Anfang macht Sanlucar de Barrameda an der Mündung des Rio Guadalquivir in den Atlantik gelegen. Hier wird der Manzanilla, ein trockener mit Alkohol angereichter Weißwein der Region, aus Holzfässern gereicht. Zusammen mit ein paar Gambas al ajillo, Garnelen in Knoblauch, ist der Genuss perfekt. Beim Blick auf die Plaza, wo jung und alt unter Palmen flanieren und jeder mit jedem zu reden scheint, fällt es auch den beiden Entdeckungsreisenden schwer, ihre Tour fortzusetzen.

Doch zu verlockend ist die Aussicht auf die weiteren Juwele Andalusiens. Am nördlichen Zipfel der Bucht von Cádiz liegt Rota, ein verträumtes Fischerdorf, das sich seinen ureigenen Charme erhalten hat. Schon vom Auto aus lockt das tiefe Blau des Ozeans und die Strände halten, was Juan bereits in höchsten Tönen angekündigt hatte. Erstklassige feine Sandstrände, von denen der Playa la Costilla bereits als schönster Strand in Spanien ausgezeichnet wurde.

Die Altstadt von Granada - das Albayzin

Die Altstadt von Granada – das Albayzin

Weniger mit offiziellen Auszeichnungen glänzt Cádiz, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Seine etwa 3000 Jahre alte Geschichte spricht für sich. „Wir nennen es la tacita de plata“, plaudert Juan aus dem Nähkästchen. Das bedeute Silbertässchen und beziehe sich auf seine Lage auf einer Felshalbinsel, die in die Bucht hineinragt um vom Atlantik umgeben ist. Juans kurze Beschreibung muss reichen, die Carretera Nacional verläuft weiter Richtung Süden auf die Ruta de los pueblos blancos, die Route der weißen Dörfer. Für den Andalusier ist es ein Heimspiel. Er hat in Conil de la Frontera eine kleine Wohnung, wo er mit seiner Familie – wie viele Spanier – einen Großteil der Sommermonate verbringt. Bis zu 80.000 Touristen erwecken dann das sonst eher verschlafene 20.000-Seelen Städtchen, das einst vom Thunfischfang lebte.

„Die gekalkten Wände reflektieren die Sonne“

„Überfüllt ist es trotzdem nicht“, erzählt Juan. Wer die kilometerweiten Sandstrände sieht, weiß, dass es stimmt. Mehr noch: Hinter dem kleinen Hafen von Conil liegen die berühmten Felsbuchten von Roche. „Sie wirken verlassen und abgeschieden, sind teils nur über Steintreppen erreichbar, was ihren besonderen Reiz ausmacht“, verweist der kundige Andalusier, den es zum Sonnenuntergang nach Vejer de la Frontera zieht. Wie ein weißer Klecks auf grauem Hintergrund schmiegt sich Vejer an das Felsgestein, neun Kilometer von der Küste entfernt auf einem Hochplateau gelegen. Fast perfekt erscheint das Weiß der Häuser. „Die gekalkten Wände reflektieren die Sonne“, erklärt Juan, „so heizen sich die Wohnräume nicht zu Glutöfen auf.“

In der Markthalle von Malaga

In der Markthalle von Malaga

Die historische Altstadt umgibt eine lange Stadtmauer, unterbrochen von vier Stadttoren und drei Türmen. Ein Bummel durch die engen Gassen führt vorbei an kleinen Läden mit Handwerksarbeiten aus der Region – Leder¬taschen und Schnitzereien in reicher Auswahl. Auf der Plaza de Espana, die früher als Stierkampfarena diente, lockt ein von Palmen umgebener Brunnen zur Rast. Vejer sei nicht nur schön, es heiße auch so, sagt die alte Frau auf der Parkbank mit einem Lächeln: „El pueblo mas bonito“ – das schönste Dorf. Diesen wohlklingenden Titel trage Vejer schon seit 1978, erzählt sie stolz. Zu Recht, denn neben der Schönheit glänzt Vejer auch durch seine lange Geschichte. Einst besiedelten es die Römer, dann kamen die Westgoten bis es über 600 Jahre in maurischer Hand war. Aus dieser Zeit stammt auch das Castillo, die ehemalige maurische Burg aus dem 11. Jahrhundert. Auf dem höchsten Punkt der Altstadt angelegt, bietet sie alle strategischen Vorteile einer Weitsicht auf Küste und Hinterland. Im Jahre 1250 eroberten die Christen Vejer zurück, seither heißt es Frontera, es bezeichnet die damalige Frontlinie gegen die Araber.

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Churros con Chocolate als Spezialiät

Weiter auf den Spuren der maurischen Vergangenheit führt am nächsten Morgen die Straße durch fruchtbares Acker- und Weideland weiter landeinwärts über die ruta de los toros, die Stierroute, nach Medina Sidonia. Entlang der Straße grasen dutzende schwarzer Kampf¬stiere auf sattgrünen Wiesen.

Marktverkäufer in Malaga

Marktverkäufer in Malaga

Wie Vejer wurde die uralte Siedlung Medina Sidonia strategisch auf einem Hügel angelegt, oft war sie umkämpft. Durch das Hufeisentor Arco de la Pastora führt der Weg vorbei an Holz- und Tonwerkstätten zur höchsten Stelle des Ortes: Hier liegen die Reste der einstigen Burg und die Kirche Santa María aus dem 15. Jahrhundert mit ihrem eigenwilligen Stilmix aus Gotik und verspielt wirkender isabellinischer Renaissance. In den Gassen ist es ruhig, kaum ein Tourist scheint Medina auf der Agenda zu haben. Nur aus den vereinzelten Bars dringt das typische Zischen der Kaffeemaschine und die hektischen Stimmen der Gäste. Von den Ruinen der alten Festung schweift der Blick über die ausgedehnten Getreidewiesen – am Horizont flimmert das Wasser des Atlantiks. Wie ein Lockruf für meine Sehnsucht nach Bolonia.

Doch bevor ich den Ozean an meiner Lieblingsstelle wiedersehen werde, verläuft die Tour weiter ins Hinterland der Sierra de Cádiz. Die kurvenreiche Straße windet sich Richtung Ubrique kilometerweit durch Korkeichenwälder – 160.000 Hektar mediterraner Wald erstrecken sich in Richtung Ronda – in die Stadt der Stierkämpfer und Banditen, wie sie genannt wird. Über einer 120 Meter tiefen Schlucht, die der Fluss Guadalévin in die Felsen geschnitten hat, thront sie auf einem Hochplateau. Eine Brücke aus dem 18. Jahrhundert überspannt die tiefe Schlucht. Sie verbindet zugleich die beiden Stadtteile miteinander: Das alte arabische Viertel mit zahlreichen historischen Bauten und dem Königspalast und auf der anderen Seite den Mercadillo, der neuere Stadtteil. Der Blick von der Brücke in die Weite der umliegenden Serrania ist umwerfend, lässt alles andere vergessen. „Schon Hemingway zog es hierher“, unterbricht ein Tourist in breitem US-amerikanisch die meditative Stille, dreht sich um und zeigt auf die Stierkampfarena. „Wohl eine der ältesten Spaniens“, sagt der glühende Corrida-Fan aus den Staaten. und führt die beiden Freunde in die Arena auf den Spuren des alten „Aficionados“ Hemingway.

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„Von der Carretera nach Tarifa geht es irgendwann rechts ab“, so hatte meine Gedächtnis es abgespeichert. Dann führte die Straße durch hügeliges Weideland gen Westen. Hier und da eine kleine Finca, in der Ferne die Ausläufer der Sierra de la Plata und irgendwann folgten die ersten Häuser einer Siedlung – sprudelt es aus meinen Erinnerungen. Juan fährt wie beschreiben – und es ist als wäre die Zeit stehen geblieben: Träge weiden die Rinder auf den flachen, leicht begrünten Dünen. Dahinter türmt sich der Sand zu einem Berg empor, bevor er in einen weiten Pinienwald übergeht. Die Ursprünglichkeit der alten Siedlung nahe den römischen Ruinen von Baelio Claudia, der lang gezogene endlos weite Strand und die Aussicht sind gleich geblieben. Vom Playa aus klettere ich die felsige Landzunge hinauf, und ich bin vom Anblick so ergriffen wie damals: Die nahe Küste Afrikas und die fernen Berge des Atlas senden einen stummen Gruß nach Europa.

Auch das alte Standlokal führt noch immer fangfrisches Thunfischfilet auf der Karte. Selbst Rosa, die Besitzerin kann sich dunkel an damals erinnern. Ein Farbenspiel aus kräftigem Blau des andalusischen Himmels, smaragdgrünem Atlantik und goldgelbem Sand begleitet die Mahlzeit. Rosa spendiert eine Flasche Tinto vom Besten – das hilft der Einnerung auf die Sprünge. Die Schönheit Andalusiens überwältigt – auch nach 20 Jahren.

Mehr Information

Top-Tipp
– Die Mezquita von Córdoba (ca. 120 Kilometer nordöstlich von Sevilla) zählt zu den beeindruckendsten Bauwerken der Welt. Die so genannte Heilige Kathedrale (ehemalige Moschee) ist die bedeutendste Attraktion von Córdoba. Der imposante Bau vereint zahlreiche Stilrichtungen und religiöse Elemente des Islam und der christlichen Kultur.

Restauranttipp
Das „Carmen Mirador de Aixa“ liegt inmitten des historischen Viertels Albayzin von Granada, direkt gegenüber den Nasridischen Palästen der Alhambra. Das Restaurant mit seinem außenliegenden Patio und dem für Granada typischen Ambiente bietet ein anspruchvolles Speisenangebot mit Produkten der mediterranen Küche. So zaubert der Koch etwa Kabeljau vom Holzkohlegrill auf einem Ibérico-Bett oder Entenleberpastete mit Quittengelee. www.miradordeaixa.com

Strände
-„Playa de los Genoveses im Nationalpark Cabo de Gata bei Almeria ist ein 1,2 Kilometer langer Naturstrand
– Playa de Matalascanas nahe des Donana Nationalparks bietet 5 Kilometer langen familienfreundlichen Sandstrand
– Playa de Zahora und el Palmar an der Costa de la Luz. Die kilometerlangen Strände eignen sich hervorragend um die Stille zu genießen, auch ideal zum Kite- und Windsurfen.

Piemont: Auf den Spuren der Savoyer

Im Piemont und seiner Hauptstadt Turin hinterließ die Dynastie der Savoyer vielseitige Zeugnisse ihrer Herrschaft – allein 17 Schlösser gehören zum Unesco Weltkulturerbe.

„Die blauen Trikots der italienischen Fußball-Nationalmannschaft erinnern noch heute an die Savoyer“, stellt Alessandra Palombo klar. Im Zeitraum zwischen 1861 und 1946 waren die Savoyer Italiens Könige – und etablierten königsblau als Farbe ihrer Dynastie stellvertretend für das ganze Land. Daraus sei die weltbekannte „squadra azzurra“, die blaue Mannschaft Italiens entstanden, erklärt die kundige Turinerin.

Doch damit nicht genug. Besonders in der Region Piemont findet man heute Zeugnisse der Savoyer auf Schritt und Tritt. Am auffälligsten ist die markante Achse entlang des Corso Francia in Turin, jener mit 20 Kilometern längsten Prachtallee Europas, die einst von den Römern angelegt und später von den Savoyern weiter ausgebaut wurde. „Sie verbindet das Castello di Rivoli, den Geburtsort der Könige mit dem Palazzo Reale, dem Zentrum der Macht und der Basilica di Superga, wo sie begraben sind“, klärt die Turinerin auf. Ein Aufstieg mit der Zahnradbahn auf den östlich des Stadtzentrums liegenden 700 Meter hohen Hügel hinauf zur Basilica lohnt sich allein schon wegen der fesselnden Aussicht über die Stadt. Hinzu kommt die opulente Ausstattung der Basilica des Architekten Filippo Juvarra. Führungen durch die Grüfte der savoyischen Könige machen die Visite zusätzlich attraktiv.

Arkaden nahe der Piazza San Carlo in Turin

Arkaden nahe der Piazza San Carlo in Turin

Ein Besuch im Palazzo Reale, das vom herzöglichen Architekten Amedeo di Castellamonte erbaut wurde und bis 1865 offizielle Residenz der Savoyer im Herzen der Stadt war, bringt dem Besucher die privaten Gemächer des Königs und der Königin sowie deren Repräsentationssäle näher. Umgeben von prunkvollem Dekor – allen voran der Thronsaal mit seinen königlichen Insignien, den Spiegel- und Gemäldegalerien, den Kristalllüstern, bemalten Kassettendecken und der Sammlung chinesischen Porzellans, fühlt man sich wie in eine andere Welt versetzt. Schließlich durchschreitet man den Salone da Ballo, den Ballsaal mit seinen 20 Säulen, in dem einst bis zu 2000 Personen tanzten. Über die meisterhaft gestaltete Treppe Scala delle Forbici von Filippo Juvarra gelangt man wieder hinaus auf die Piazetta Reale.

Palazzo Reale in Turin

Palazzo Reale in Turin


„Das Castello Rivoli wurde nie ganz vollendet“, sagt Palombo und zeigt dabei auf die Nahtstellen der baulichen Fragmente. Auf einer Moränenanhöhe über dem Suzatal thront das Castello und wirkt wie ein Vorposten der pulsierenden Metropole Turin. Einst bewachte es den Eingang zum strategisch wichtigen Suzatal. „Für die Savoyer war es ein Lebensmittelpunkt“, weiß Palombo, „heute ist es ein Museum.“ Alle drei Monate finden in den Sälen des Schlosses wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst statt. In den mit grotesken Deckenmalereien von Juvarra ausgestatteten hohen Schlossräumen erzielen die neuzeitlichen Exponate ihre besondere Wirkung. Wandteppiche, die einst ein Zeichen von Reichtum darstellten, sowie Vries mit Malereien steigern den Kontrasteffekt noch zusätzlich.

Jedem Besucher wird klar: Die Zeugnisse dieser fast 1000-jährigen Dynastie sind doch weit vielschichtiger als ein blaues Trikot ….

Mehr Information
Piemonte Turismo Srl
Via A. Avogadro, 30
10121 Torino
Tel. +39 011 4326210
www.piemonte-turismo.it

Irland: Ein Abend im Pub

Samstagabend in Lorrha, ein kleiner Ort im County Tipperary. Zeit für den Pubbesuch. The Friars Tavern direkt an der Hauptstraße kommt mit ihren knallroten Türen und den einladenden Bänken vor dem Eingang wie gerufen. Schon beim Eintreten schallt die Musik entgegen. Es klingt wie Country und ist doch irgendwie anders, mit mehr Schwung, ein Hauch von Amy Mc Donald.

Ferienhaus bei Lorrha

Ferienhaus bei Lorrha

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Vom Fischkutter zum Ausflugsboot

Vom Fischfang allein lässt es sich zwar nicht mehr leben aber Eddy Stoll fährt noch immer leidenschaftlich gern hinaus auf die Ostsee. Er ist der letzte Fischer von Bansin.

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Eddy Stoll ist stolz darauf: vor Usedom gibt es Süß- wie Salzwasserfische gleichermaßen

Der Fischkutter liegt auf Holzrollen im Dünensand und steht zum Verkauf. Streichen, schrubben, waten, dann wechselt BAN 7 irgendwann den Besitzer. „Wohl kaum ein Fischer“, meint Eddy Stoll, der als einer der letzten auf Usedom noch regelmäßig hinausfährt aufs Meer. Für die Fischer sei das „nicht mehr finanzierbar“, bringt er die Realität auf den Punkt. „43 Cent pro Kilo Hering reichen einfach nicht aus.“ Die Kapitänsmütze auf dem Kopf, Sonnenbrille und Vollbart, Blaumann und die Stiefel über die Schenkel gezogen, befestigt er ein paar Seile an der Reling und hofft, dass sich ein Liebhaber findet für den edlen Kutter aus Eichenholz, der mit hochwertigen Kupfernieten verarbeitet ist. „Alles Handarbeit“, beteuert Eddy Stoll, „drei Mann haben ein halbes Jahr daran gearbeitet“ Heute sei vielleicht noch ein Viertel des ursprünglichen Kaufpreises herauszuholen, mutmaßt er.

In Bansin liegen die wenigen Fischerboote oben in den Dünen, einen Hafen gibt es nicht. „Es dauert fast einen halben Tag, bis man das Boot im Wasser hat“, sagt der 46-jährige Stoll. Ganze 15 mal müssten die Rollen vorgelegt werden bis man unten ist, dann noch über zwei Sandbänke hinweg bis der Kutter in See stechen kann. „Jeder Handgriff muss sitzen.“ Zu zweit oder zu dritt werde der Kutter bewegt. Allein? Nein, keine Chance. Hier mache man ohnehin alles gemeinsam. Das kennt man nicht anders. Eddy Stoll erinnert sich noch genau, wie zu DDR-Zeiten teils bis zu fünf Tonnen Heringe am Tag in den Netzen hingen. Die Heringe „von den Netzen loszupulen war eine große Nummer. Da hat jeder mitgeholfen“, sagt der Bansiner. Die ganze Familie sei von morgens um vier bis abends um zehn auf den Beinen gewesen.

Eddy Stoll ist Fischer mit Herz und Seele

Eddy Stoll ist Fischer mit Herz und Seele

Heute fischt er ein bis zwei Kisten aus dem Gewässer vor den Kaiserbädern – gerade mal so viel wie die Gaststätten im Ostseeheilbad brauchen, etwa 20 bis 50 Kilogramm. Der Fisch kommt jetzt eher aus Lettland oder aus Weißrussland. „Wo die Preise stimmen“, sagt Eddy Stoll realistisch. „Im Moment fischen wir Flunder und ein bisschen Steinbutt“, erzählt der gutgelaunte Usedomer, der an der Bansiner Strandpromenade ein eigenes Hotel mit Restaurant betreibt. Je nach Wetter fährt er entweder täglich oder alle zwei Tage hinaus. Im Hochsommer, wenn es warm ist, steht Aal auf der Fangliste. Dann geht es nachts um eins raus und um sechs zurück. „Damit der Aal frisch bleibt“, erklärt Eddy Stoll, „Eis gibt’s an Bord nicht.“

Stolz ist der Bansiner Fischer darauf, dass es vor Usedom Süß- wie Salzwasserfische gleichermaßen zu fangen gibt. Die Brackwassereinspeisung der Flüsse Swine und Peene mache hier aus der Ostsee Mischwasser. Das sei zwar nicht so klar, aber dafür sei die Ostsee bei der Oderbank „so türkis wie die Karibik“, weiß der weit gereiste Stoll. Acht Meter tief könne man auf den Grund gucken. „Aber das kennt ja keiner“, fügt er lapidar hinzu. Genauso wenig bekannt ist die „enorme Überpopulation an Kormoranen“, die den heimischen Fischbestand bedroht. Früher habe es vielleicht 20 auf der ganzen Insel gegeben, heute sind es hunderttausende. „Und jeder der Vögel frisst ein Pfund Fisch am Tag.“ Grund seien die milden Winter der letzten 20 Jahre – so konnten die Kormorane überleben. In benachbarten Ländern wie Dänemark habe man Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Kormorane entwickelt. Doch hier hätten die Fischer keine Lobby, merkt Eddy Stoll kritisch an.

Der Kutter steht zum Verkauf

Der Kutter steht zum Verkauf

Das mit den Essgewohnheiten weiß auch kaum einer, spannt Eddy Stoll den Bogen. Jeder glaube, ereifert sich der kräftige Fischer, Italiener und Franzosen seien die Gourmetkönige. „Irrglaube“, hält der Usedomer fest. „Die benachbarten Polen sind es.“ Sie gäben rund 17 Prozent ihres Einkommens für’s Essen aus und seien die wahren Genießer. Die Deutschen hingegen „dümpeln mit gerade mal sieben Prozent dahin.“ Ernsthaft besorgt zeigt sich der Usedomer um die Esskultur seiner Landsleute, bei denen fast food in allen Variationen nach wie vor hoch im Kurs stehe. Fischstäbchen nimmt er dabei ausdrücklich in Schutz. Die würden bereits auf See schockgefrostet, weiß der Experte.
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Sorgen macht sich Eddy Stoll auch um das Aussterben seines Jobs. Das sei für die Urlauber „kein schönes Bild, wenn es keine Boote mehr gibt.“ Fischer zu sein sei eine „Berufung“ und dabei funkelt die Leidenschaft in seinen Augen. Das Gros der Fischer auf Usedom hätte die Kleinkapitänspatente ohnehin an Abendschulen erworben. Jeder habe auch einen handwerklichen Beruf erlernt. Die Eltern hätten dafür gesorgt – sie wussten, was es heißt, wenn die Fischbestände abnehmen. „So kommt ihr trotzdem über die Runden“, war ihre Devise. Eddy Stoll hat Hochbau gelernt.

Jetzt lernt er auch noch Schiffsverkäufer und hofft, dass er einen Liebhaber findet für seinen stolzen Kutter. Vielleicht einer, der ein Ausflugsboot mit Segel draus macht. Die Zeiten ändern sich eben.

Mehr Information
Tourismusverband Mecklenburg Vorpommern e.V.
Platz der Freundschaft 1
18059 Rostock
Tel.: +49 (0)381 40 30-550 Fax -555
www.auf-nach-mv.de

Hotel Dünenschloß, Restaurant Blauer Stein
Eddy Stoll
Strandpromenade 32
17429 Seebad Bansin
Tel./Fax 0049 (0) 38378/30818
eddystoll@aol.com

Myanmar: Fischen wie die Artisten

Das bergige Shan-Plateau im zentralen Hochland von Myanmar ist eine eigene Welt für sich. Rund um den lang gezogenen Inle See lebt das Volk der Inthas – sie bestellen schwimmende Gärten und fischen einbeinig.

Am Steg stehen sie in Reih und Glied und lächeln: Einheimische des Stammes der Pa-O und Palaung mit ihren dunklen Longys und hellen, meist türkisfarbenen Turbanen verabschieden ihre Gäste für den Abend. Die Boote tuckern durch die schwülwarme Luft über den See hin zu einer kleinen Siedlung. Die achtköpfige Gruppe folgt einer Einladung zu einem Fest der einheimischen Bevölkerung. Weiterlesen